Ausbildung zum Qualifizierten Ersthelfer:
- Pilotprojekt in Rheinland-Pfalz -
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Das Pilotprojekt

Vorbildlich dürfte künftig das "Kirner Modell" bei der Ausbildung von Einsatzkräften der Feuerwehren zum sogenannten Qualifizierten Ersthelfer sein: 16 Wehrleute aus Kirn und
5 Kameraden aus Rhaunen/Hunsrück konnten unlängst ihre Urkunden aus der Hand von Landesfeuerwehrarzt PD Dr. Dr. Markus D. W. Lipp entgegennehmen. Hinter ihnen liegt ein 130 stündiger feuerwehrspezifischer Erste-Hilfe-Kurs, den die Wehrleute in ihrer Freizeit zusätzlich zu den üblichen Fortbildungen, Übungen und Realeinsätzen absolvierten.

Die differenzierte Ausbildung, die auf zwei Grundlehrgängen in den Vorjahren aufbaute, erfolgte analog den Richtlinien des Hauptverbandes der gewerblichen Berufs- genossenschaften "ZH 1/608 Regeln für den Einsatz von Betriebssanitätern".
Der Kirner Ausbildungsplan und das damit verbundene Konzept, welche übrigens große Gemeinsamkeiten mit dem Konzept der BF Hamburg aufweisen, sollen künftig als Leitlinie für die Feuerwehrärzte des Landes Rheinland-Pfalz dienen.


Die Feuerwehr Stadt Kirn

Die etwa 10.000 Einwohner zählende Stadt Kirn liegt im westlichen Teil des Landkreises Bad Kreuznach und grenzt unmittelbar an den Landkreis Birkenfeld. Im überörtlichen Ausrückebereich der Feuerwehr Kirn liegt ein 20 Kilometer langes Teilstück der vielbefahrenen Bundesstraße 41 sowie etwa 120 Kilometer Bundes-, Landes- und Kreisstraßen im Bereich der Verbandsgemeinde Kirn-Land.

Der Rettungsdienst im Ausrückebereich der FF Kirn ist durch Hilfsorganisationen gestellt: Am Diakonie-Krankenhaus Stadt Kirn sind ein RTW und ein NEF stationiert, die einen Radius von bis zu 30 Kilometern abdecken. Die nächsten RTW-Wachen liegen in Bad Sobernheim (ca.15 Kilometer östlich von Kirn) und in Idar-Oberstein (ca. 17 Kilometer westlich von Kirn). Am Krankenhaus in Idar-Oberstein ist weiteres NEF stationiert. Bei hohem Einsatzaufkommen ist die notfallmedizinische Versorgung bei Brandeinsätzen und Unfällen nicht immer sichergestellt.

Die SEG des Landkreises Bad Kreuznach ist in Bad Kreuznach (ca. 30 Kilometer von Kirn) stationiert. Aufgrund dieser Tatsache ist auch die Einsatzschwelle eines Alarmplanes zur Versorgung eines Massenanfalls von Verletzte (ManV) erheblich herabgesetzt.

Bei vielen Feuerwehreinsätzen mit Personenschaden im Ausrückebereich der Feuerwehr Kirn zeigte sich, daß die Feuerwehr Kirn trotz der ständigen Bereitschaft in den angegebenen Rettungswachen häufig mit einem deutlichen Zeitunterschied vor den ersten Rettungsdienstkräften eintrifft. Hier konnte die Feuerwehr einen Zeitvorteil von mindestens 6 bis 8 Minuten beobachten. Gerade bei Einsätzen mit Notarzt-Indikation fällt dieser Zeitvorteil der Feuerwehr bei der Versorgung von Patienten stark ins Gewicht. Aufgrund der bei der Feuerwehr vorgeschriebenen Erste-Hilfe-Ausbildung konnten die Feuerwehrkräfte zwar mit elementaren Maßnahmen helfen. Es war aber immer schon für die Feuerwehr deutlich, daß mit einer besseren medizinischen Ausstattung und Ausbildung noch mehr für die Unfallopfer bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes getan werden könnte.

Es ist besonders zu beachten, daß der Rettungsdienst durch Hilfsorganisationen im Brand- und Gefahrstofffall den unmittelbaren Gefahrenbereich, der i.d. Regel nur von den Atemschutzgeräte-Trägern erreicht werden kann, überhaupt nicht erreichen kann. Hier ist die Feuerwehr auf sich allein gestellt. Auch bei der Kameradenhilfe und der personellen Unterstützung ist die Feuerwehr gefordert. Das Motto der Feuerwehr lautet traditionell "Retten, Löschen, Schützen, Bergen". Für die Feuerwehr Kirn war es darum nur logisch, sich dieser Herausforderung zu stellen und die Lücken inder Versorgung traumatisierter Patienten zu schließen..

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Der Ausblick

Nach der Ernennung zum Qualifizierten Ersthelfer und der Übergabe der Urkunden durch Landesfeuerwehrarzt PD Dr. Dr. Markus Lipp herrscht bei der Feuerwehr große Einigkeit darüber, daß auch in Zukunft regelmäßige Fortbildungen in Zusammenarbeit mit dem Diakonie-Krankenhaus Kirn und niedergelassenen Medizinern einen großen Stellenwert haben werden. Neben der theoretischen Vertiefung des erlernten Stoffes ist man bei der Feuerwehr Kirn bemüht, in möglichst jeder Objektübung die Rettung und präklinische Versorgung von Notfallpatienten zu integrieren. Zudem sind auch weiterhin Seminare geplant, die den Notärzten die Möglichkeiten der Feuerwehr in der technischen Hilfeleistung und Rettung vermitteln sollen. Auf der anderen Seite lernt der Rettungsdienst das "Kirner Modell" der Feuerwehr nicht als Konkurrenz, sondern vielmehr als eine sinnvolle Ergänzung zum Wohle des Patienten, kennen.

Besonderer Dank gilt den Firmen Laerdal, Wero, Hexal und Boehringer, die den Lehrgang in vorbildlicher Weise unterstützten.

Freiwillige Feuerwehr Stadt Kirn
Frank Peter Weger
Oberbrandmeister

Weitere Informationen erteilt:
Frank Peter Weger
Feuerwehr Stadt Kirn
Postfach 93
55602 Kirn
Die Lehrgänge
Die notfallmedizinische Ausrüstung

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27.06.2000